Stephan Scholtissek

 

 

Stromland

Kurzbeschreibung
»Das Leben, die Arbeit als mitreißender Strom, als permanenter Prozess der Selbsterneuerung und Innovation. Und wir mittendrin. Klingt anstrengend? Nein, eher verführerisch. Wir dürfen unsere Welt nur nicht als begrenzt ansehen. Und das meine ich in einem sehr irdisch-konkreten Sinn.«

Januar 2020. Für einen gut dotierten Dreimonatsjob reist Sven Laufer in seine stromländische Heimat. Voller Vorurteile, denn Verkrustung, Stillstand und Jammertal hatten ihn vor zwanzig Jahren aus Stromland vertrieben. Was Sven jetzt bei seiner Rückkehr vorfindet, erscheint ihm wie eine Fata Morgana: fantastische Innovationen wie Spiegelorakel, intelligente Häuser, interaktive Wände und geräuschlose Autos; findige Unternehmer, revolutionäre Bildungsangebote, neue Kommunikationsformen; vor allem aber: anpackende, couragierte Menschen mit Kampfgeist. Ist das sein altes Stromland oder Utopia, oder träumt er nur? Sven ist verwirrt, verliebt sich, wird krank, sehnt sich nach seiner Familie. Und trifft eine unausweichliche Entscheidung ...


Über den Autor
Stephan Scholtissek, Jahrgang 1959, ist seit drei Jahren Sprecher der Geschäftsführung und Country Managing Director von Accenture in Deutschland. Der promovierte Biochemiker wechselte 1997 zu Accenture, einem der weltweit führenden Beratungshäuser, und verantwortet im deutschsprachigen Raum das Geschäft mit Energieunternehmen und der Schwerindustrie. Zusammen mit seiner Familie lebt er in München. Scholtissek schrieb bereits mehrere Fachbücher, dies ist sein erster Roman.


Kritik: (
http://www.manager-magazin.de/life/buecher/0,2828,408533,00.html)

Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture, hat zur Feder gegriffen, einen Wirtschaftsroman geschrieben - und kräftig daneben gegriffen.

Hamburg - Fast immer entsteht Erstaunliches, wenn sich Männer der Wirtschaft der Schönen Literatur verschreiben und Romane verfassen. Bestes Beispiel ist der mittelständische Unternehmer Ernst Wilhelm Händler, der im Bayerischen Wald einen Technologiebetrieb führt und nebenher Bücher verfasst, die kenntnisreich und stilistisch auf Höchstniveau aus dem Manageralltag berichten. Und von der Kritik jeweils allerbeste Noten bekommen.

Aber die Kunstübung des Wirtschaftsmannes kann auch erstaunlich daneben gehen. So jetzt geschehen im Roman "Stromland", verfasst von Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef der Beratungsfirma Accenture.

Der schickt seinen heillos hölzernen Helden Sven Laufer, Berater wie sein Erfinder, im Jahre 2020 in eine Welt, in der die Staaten Fruchtland oder Flutland heißen, die Städte Seestadt, Glasturmstadt oder Hilfoding. Und unschwer als Metropolen des Problemstandortes Deutschland, im Roman Stromland geheißen, zu erkennen sind.

Das hatte Laufer vor 20 Jahren verlassen, auf der Flucht vor wirtschaftlicher Stagnation und mentaler Schwerfälligkeit. Weil er statt "Selbstbewusstsein und Tatendrang" nur "Starre und Mutlosigkeit" erlebte, war er aufgebrochen in das gelobte Fruchtland, leicht als die USA zu erkennen.

Und siehe, nun liest er in der Zeitung, wie sich das Land plötzlich zum Guten gewendet hat. Namenloses Heimweh packt ihn und lässt ihn mit einem Beratungsauftrag in der Tasche die Heimat aufsuchen. Und, oh Wunder, aus dem Jammerland ist ein zukunftsfrohes, servicefreudiges, innovationseifriges Experimentierfeld geworden, in dem die Leistungsträger auf Transrapidzügen heizen und von rechnergeführtem Hotelpersonal umsorgt werden.

Und dem Leser fortwährend mit Benennungen wie PremXLog, StromTelX und TranXTruck traktiert werden, als Ausweis des wirtschaftlichen Fortschritts. Ein zweites Wirtschaftswunder also - die herbeigebetete Zukunft des Standorts.

Denn nur darum geht es dem Autor - um den viel beschworenen Standort Deutschland, seine Probleme und deren Lösung.

Das alles aber wird, wo schon nicht wirklich erlebt, auch gar nicht erzählt, womöglich mit einer kunstvoll konstruierten Geschichte verwoben, sondern mit viel Schlagwortgebimmel im Stil von Leitartikeln und Geschäftsberichten heruntergebetet, immer begleitet von "unbestimmten" oder "vieldeutigen Brummtönen", der meistgeübten Artikulationsweise des Helden Laufer. Oder garniert mit unfreiwilliger Slapstick-Komik wie dieser: "Sven schüttelte den Kopf und schob sich gleichzeitig eine Gabel voll gebratenem Butterfisch in den Mund".

Die Werbezeile vom Verlag Hoffmann und Campe orakelt: "Wie Deutschland bald sein könnte". Nach der Lektüre dieses literarischen Versuchs eher eine Drohung denn ein Versprechen.