James Stewart

 

 

Club der Diebe

Selbst Insider sahen nicht voraus, daß der große Wall-Street-Boom während der "wilden Achtziger" in einen Finanzskandal von gigantischem Ausmaß münden würde. J. B. Steward, Pulitzerpreisträger und Redakteur des New Yorker "Wall Street Journals", erzählt die Geschichte des wohl größten Börsenschwindels aller Zeiten und die seiner Akteure.

Hemmungslose Raffgier

Die Akteure waren wochenlang in den Schlagzeilen: Ivan Boesky, Michael Milken und ihre Komplizen - die größten Wirtschaftsverbrecher, die je ertappt wurden. James B. Stewart, Redakteur des Wall Street Journal, hat in jahrelanger Arbeit Hintergründe und Einzelheiten des Insider-Skandals recherchiert, der in den Jahren 1986 und '87 die Wall Street erschütterte und alteingesessene Finanzhäuser an den Rand des Abgrunds brachte.

Pulitzer-Preisträger Stewart zeichnet detailliert nach, wie sich Boesky und seine Freunde einen Ring von Zuträgern und Tipgebern aufbauten. Das System war narrensicher: Ein paar Spekulanten erfuhren rechtzeitig, welche Aktiengesellschaften von anderen geschluckt werden sollten, und kauften die Papiere auf, die dann wenig später im Kurs steil anstiegen. Das spannende Lesevergnügen wird allerdings durch die überaus dilettantische Übersetzung getrübt. Ein Beispiel: "Die Verbrechen waren Landmarken auf dem Weg zu Ergebnissen . . . die, oberflächlich betrachtet, völlig legal waren."

Trotz der oft holprigen Sprache entsteht ein farbiges Bild der Reagan-Ära mit ihrer Protzsucht und hemmungslosen Raffgier. Kennzeichnend eine Szene, in der ein Wertpapierhändler des Finanzhauses Drexel Burnham Lambert erfährt, daß die Firma ihm eine Jahresvergütung von zehn Millionen Dollar zahlen will. Der 33jährige Angestellte reagiert verärgert: "Ich glaube, mir steht mehr zu."

Die Enttäuschung ist nicht ganz unverständlich: In jenem Jahr kam sein Chef Michael Milken auf ein Jahresgehalt von 550 Millionen Dollar.