Heinz Becker

 

 

Abenteuer Marktwirtschaft

Der Erstlingsroman von Heinz Becker, Abenteuer Marktwirtschaft, vermittelt ein grundlegendes Verständnis für das Funktionieren der Marktwirtschaft. In 50 Jahren ist dieses System zu einem weltweiten Erfolgsrezept geworden. Aktuell steht das System in Deutschland auf dem Prüfstand. Man versucht, die Mechanismen der Marktwirtschaft zu verstehen, um sie für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts »fit« zu machen. In den früheren Ostblockstaaten wird die Marktwirtschaft neu aufgebaut. Doch wer kann sie in Deutschland schon einem Rumänen oder Ungarn erklären?

Becker entführt den Leser auf eine einsame Insel, indem er ein Flugzeug mit einer großen Gruppe Jugendlicher abstürzen lässt. Die 100 Überlebenden retten sich auf eine unbewohnte Insel. In einer völlig anderen Welt gelingt den Gestrandeten das Überleben dank günstiger natürlicher Bedingungen. Die Gruppe ist gezwungen, sich zu organisieren und erlebt die Mechanismen der Marktwirtschaft am eigenen Leib. Vorher unverstandene Begriffe wie Wachstum, Verteilung, Geld, Inflation, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Freiheit und soziale Gerechtigkeit sind plötzlich Lebenswirklichkeit.

Die deutsche Systemkrise der 70er Jahre
Das Geschehen auf der Insel ist mit einer gesellschaftspolitisch besonders konfliktreichen historischen Periode verbunden. Der Roman beginnt im Jahr 1970, kurz nachdem erste heftige Auseinandersetzungen über die Gesellschafts und Wirtschaftsordnung in der Bundesrepublik begonnen hatten. So ist es leicht möglich, wirtschaftspolitische Auseinandersetzungen aus der Aufbruchzeit der 60er Jahre auf das Inselgeschehen zu projizieren und sie assoziativ mit aktuellen Fragen unserer Wirtschaftsordnung zu verbinden.

Das Buch richtet sich vor allem an Schüler, Studierende, politisch interessierte Erwachsene und Lehrende mit sozio-ökonomischem Bildungsauftrag.

Fazit
Der Roman beschreibt ökonomische Begriffe und Theorien nicht, sondern entwickelt sie aus dem Überlebenskampf der Gruppe und dem Dialog der Romanfiguren. Dadurch ist es insgesamt gut gelungen, auch komplizierte Sachverhalte und Gesetzmäßigkeiten in einfachen Beispielen zu veranschaulichen. Leider verliert sich der Roman aber auch hin und wieder in unwesentlichen Details, so dass die Ausführungen zu einigen der aufgeworfenen Fragen nur schwer nachzuvollziehen sind.

Lehrer und Dozenten finden in jedem Fall einige interessante Anregungen, um auch schwierige Zusammenhänge der Sozialen Marktwirtschaft einfach zu erklären. Als vorbereitende Lektüre für das wirtschaftswissenschaftliche Studium ist der Roman sehr zu empfehlen, denn es werden viele spannende Fragen aufgeworfen, mit welchen man sich im Studium dann intensiver beschäftigen wird.