Ernst Wilhelm Haendler

 

 

Wenn wir sterben

Deutschland, München, Ende der neunziger Jahre: Es begegnen uns vier Frauen, energische, attraktive, in ihrem Berufsleben erfolgreiche Mittvierzigerinnen, wichtige Führungspersonen der Industrie. Alle vier sind auf dem Höhepunkt und gleichzeitig am Scheidepunkt ihrer beruflichen Karrieren angelangt, haben das Alter für große Entscheidungen erreicht. Charlotte, eine arrivierte Managerin, macht sich mit der Hilfe zweier befreundeter Geschäftsfrauen, Christine und Bär, selbständig, sie kauft eine mittelständische Firma. Durch eine gemeine Intrige ihrer engsten Mitarbeiterin erleidet Charlotte ihren persönlichen Ruin, verliert die Firma. Doch die neue Inhaberin Christine, Stine genannt, kann das Unternehmen nicht lange halten. Ein Joint-venture, von dem sie sich Zugang zum Weltmarkt verspricht, erweist sich als geschickter Schachzug einer anderen erfolgreichen Geschäftsfrau, Milla. Jetzt stirbt Stine ihren ökonomischen Tod, wird Opfer einer ihr überlegenen Frau. Wenn wir sterben, der neue Roman Ernst-Wilhelm Händlers, den nicht wenige als die wirklich herausragende Stimme der deutschen Gegenwartsliteratur bezeichnen, schildert in großer Detailtreue die Karriere von vier Geschäftsfrauen, von denen nur eine "überlebt". Händler zeigt mit exemplarischen Lebensgeschichten, wie die moderne Industriegesellschaft den Menschen entwurzelt und deformiert: Menschliche Existenz hat nur noch ökonomischen Sinn. Materielle Begehrlichkeiten und materielle Zwänge haben das Wesentliche verdrängt. Wirtschaftsprozesse prägen statt dessen unsere Entscheidungen und instrumentalisieren das Leben. Jene, die die oberen Sprossen der Karriereleiter erklommen haben, haben alles Menschliche eingebüßt und handeln provisorisch in der Logik ihrer Funktionen; sie kämpfen mit allen Mitteln um ihren eigenen Erfolg.
 

Der Autor
Ernst-Wilhelm Händler weiß wovon er schreibt. Der Autor ist als Besitzer einer mittelständischen Fabrik in Regensburg selbst Unternehmer. Ein Betrieb mit rund 200 Mitarbeitern, der Elektroverteiler und Schaltschränke herstellt. Der Firmenchef hat allerdings nicht Betriebswirtschaftslehre, sondern Philosophie studiert. Seit mehr als sieben Jahren schreibt er Bücher, die immer wieder um ein Thema kreisen: was die Ökonomisierung des Lebens aus den Menschen macht und worin die geheime Verführungskraft des kapitalistischen Systems liegt. Doch trotz der Schattenseiten sieht Händler keine Alternative, zur gegenwärtigen Wirtschaftsart.