Edgar K Goffroy

 

 

Machtschock

Claus -- Geffroys Protagonist -- ist geschockt. Bis gestern dachte er, es sei alles in bester Ordnung, sein Unternehmen stände da wie eine Eins. Seit 125 Jahren produziert die Berning GmbH in Bergisch Gladbach Schrauben und Draht, vornehmlich für die Automobilindustrie. Doch heute dreht ihm die Bank den Geldhahn zu. Kunden haben nicht gezahlt, mit 400.000 Euro steht er in der Kreide. Wenn er innerhalb von drei Monaten keinen neuen Businessplan vorlegen kann, muss er seine Mitarbeiter entlassen und den Laden schließen.

Geffroy, einer der bekanntesten Motivationstrainer aus Deutschland, zieht alle Register. Es gibt nichts, was er nicht in seinen Roman packt: den kontrollsüchtigen Onkel, die attraktive Marketingassistentin, die eifersüchtige Ehefrau, falsche Freunde, störrische Betriebsräte und frustrierte Mitarbeiter. Doch mithilfe der Seelen-Malerin Yvonne zieht Claus sein Unternehmen aus dem Morast. Von ihr lernt er die wichtigsten Regeln und etabliert seine Zukunftsfirma auf dem Markt. Aus Mitarbeitern werden motivierte Mitunternehmer. Aus Kunden Partner. Aus Lieferanten Mitstreiter. Und aus einem lokalen Unternehmen ein global agierendes Netzwerk.

Neue Erkenntnisse hat der Roman nicht zu bieten. Die Thesen sind bekannt. Die wichtigsten Schlagworte: Benutzen statt Besitzen, Netzwirtschaft satt Marktwirtschaft, Zielgruppenkompetenz statt Produktkompetenz, Optionen statt feste Strukturen, Einfluss statt Macht. Trotzdem: Machtschock ist unterhaltsam -- und für alle, die sich bereits tagsüber durch trockene Management-Literatur quälen müssen, eine geeignete Abendlektüre. Außerdem: Der Lerneffekt ist wie bei allen anderen Wirtschaftsromanen nicht zu unterschätzen. Da die wichtigsten Thesen mit Handlungen und Personen verknüpft werden, lassen sie sich besser abspeichern und zu gegebener Zeit abrufen. --Heike Littger