[Michael Ridpath]
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Das Programm]
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Absturz]

Michael Ridpath

 

Der Spekulant

Paul Murray hatte fast vergessen, wie das Leben mit einer netten Freundin sein kann. Gerade aber hat er sich bei einem abendlichen Drink ein wenig in seine hübsche Kollegin Debbie verguckt, da ist das Spiel auch schon zu Ende.

Debbie wird am nächsten Morgen tot aus der Themse gefischt. An Selbstmord oder Unfall glaubt Paul nicht, also sucht er einen Mörder. Das muß er auch, denn Murray ist nicht irgendwer, sondern der Held eines Thrillers.

Es ist kein Privatdetektiv, der hier auf Mörderjagd geht, und auch kein beurlaubter, frustrierter Polizist. In seinem Erstlingswerk, das jetzt in Deutsch zu haben ist, hat der Brite Michael Ridpath eigene Erfahrungen verpackt: Paul Murray ist Trader in der Londoner City, er handelt - wie Ridpath es früher tat - mit Anleihen, Devisen und Junk-Bonds.

Mit dem Buch ist Ridpath, 34, ein besserer Deal gelungen, als er jemals an der Börse erwarten durfte. Seit Anfang des Jahres ist "Free To Trade" (Originaltitel) in England auf dem Markt und steht seitdem auf der Bestseller-Liste ganz oben. Die Rechte sind in 29 Länder verkauft, darunter auch in die USA.

Ridpath hat in Oxford Geschichte studiert, danach als Angestellter in einer Bank die Seriosität von Kreditnehmern geprüft. Mehrere Jahre war er dann schließlich als Trader in dieser verrückten Welt tätig, in der per Computer und per Telefon täglich Hunderte von Milliarden Dollar, Yen oder Mark um den Erdball geschoben werden.

Diese Erfahrungen mit der Spekulation, mit dem Auf und Ab von Gewinnen und Verlusten, von Jubel und Enttäuschung fand Ridpath so spannend, daß er sie irgendwie verarbeiten wollte. Ein Sachbuch reizte ihn jedoch nicht: "Eine Crime-Story macht einfach mehr Spaß."

In der Geschichte ist alles, was zu einem gediegenen Krimi gehört: das Rätsel um die Leiche, die falschen Spuren, Intrigen, Gewalt und ein bißchen Liebe. Alle Rätsel werden gelöst, der Mörder wird gefaßt, der Held kriegt sein Mädchen. Ridpath hat das alles routiniert geschrieben, doch das wirklich Spannende sind die Einblicke in die Welt, aus der er kommt.

Der Krimi ist die Wirklichkeit. Wie die Dealer an den Finanzmärkten den kleinen Margen hinterherjagen, die sich zu Tausenden und Millionen addieren, wie sie Kunden beschwatzen und Konkurrenten austricksen - das ist der Stoff, der den Leser munter macht.

Paul Murray wird eines Tages vom Trader einer konkurrierenden Firma angerufen: Cash Callaghan möchte von ihm Papiere kaufen, eine Anleihe der Gypsum Company of America zu neun Prozent. Cash bietet einen Kurs von 80.

Murray weiß zwar, daß sein Boß diese Papiere vor längerer Zeit gekauft hatte und sie loswerden möchte. Aber er wird mißtrauisch: Warum will Cash jetzt diese lausigen Bonds haben, die zuletzt bei 60 standen?

Er recherchiert und findet heraus, daß Gypsum, ein Bauzulieferer, seit langem Übernahmekandidat ist. Nur dessen sturer Chairman, dem 30 Prozent der Firma gehören, stand bislang einem Verkauf im Wege. Der Gypsum-Chef hatte das Unternehmen hoch verschuldet und Überkapazitäten aufgebaut. Schwere Verluste waren die Folge, der Börsenkurs sackte.

Aber der Chairman, so entdeckt Murray außerdem, ist vor ein paar Wochen mit dem Hubschrauber abgestürzt. Klarer Fall: Jetzt haben die Aufkäufer leichtes Spiel.

Paul sieht seine Ahnung bestätigt, daß Cash ihn mit seinem scheinheiligen Angebot, die Papiere zu 80 zu kaufen, linken wollte. Also macht er das, was jeder gute Trader machen würde: Statt Cash die Bonds zu überlassen, kauft er alles, was er von Gypsum kriegen kann. Es wird ein lohnendes Geschäft.

Weitaus schwerer hat es Murray dagegen mit dem Fall, der den Handlungsablauf des Buches bestimmt: Es geht um ein gigantisches Betrugsmanöver mit wertlosen Papieren. "Die Story ist erfunden", sagt der Autor, "aber sie kann genauso oder ähnlich irgendwo auf der Welt passiert sein."