Benjamin Cole

 

 

Die Rattenfänger der Wallstreet

Kurzbeschreibung
Aus den kritischen Beobachtern des Aktienmarktes sind Rattenfänger geworden, die - unterstützt von Fernsehen, Internet und Printmedien - verführerische Flötenklänge anstimmen, um die Anleger zu manipulieren. Benjamin Mark Cole deckt die Interessenkonflikte der Aktienexperten auf, die objektive Empfehlungen unmöglich machen, nennt zahlreiche prominente Namen aus der Analystenszene und beschreibt die Hintergründe der Skandale, die durch die Presse gingen. Das Nachwort von Bernd Niquet nimmt Bezug auf die deutsche Situation und stellt die derzeitige Diskussion um den so genannten Analystenkodex und die Neuregelung der Finanzmärkte dar.

Der Verlag über das Buch
Ausgezeichnet mit dem Wirtschaftsbuchpreis 2001 der Financial Times Deutschland und der get abstract AG in der Kategorie "Finanzbuch International".

Leseprobe
"Die neuen Stars der Wall Street sind die Analysten, die bei Wertpapierhäusern, also auf der "Verkaufsseite", angestellt sind.
Sie, die einst im Hintergrund wirkten, rückten gegen Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich ins Rampenlicht. Vor kurzem arbeiteten sie noch im Verborgenen und in relativer Unabhängigkeit. Nun gelten sie als Aushängeschild der Branchengrößten. Als "Rattenfänger der Wall Street" sollen sie mit ihren Flöten auf den Marktplatz treten und mit unwiderstehlichen Tönen die Kurse höher und höher treiben.
Dies ergibt sich zum Teil zwangsläufig aus den seit 1980 explosionsartig gewachsenen Finanzmedien, den auf Wirtschaft spezialisierten Nachrichtensendern, den TV-Shows und der Lawine von Finanz- und Börsenzeitungen. Das Internet scheint speziell für die Wall Street erfunden zu sein und ist mit Seiten über Aktien, Finanzinformationen und Wirtschaftsnachrichten aller Art und natürlich mit Angeboten zum Online-Trading regelrecht gespickt. Die von den Analysten angestimmte Melodie wird in
diesem Medium von Legionen von Finanzjournalisten gespielt und über den Äther an ein Publikum geschickt, das großenteils einen anhaltenden Bärenmarkt nie erlebt hat - zumindest bis vor kurzem.

2001 verloren viele Kleinanleger an der Börse eine Menge Geld, und sie spürten, dass es ihnen an den Kragen ging - oder vielleicht ist es treffender zu sagen, dass sie wie Vieh zur Schlachtbank geführt wurden. Kurz nach dem Millenniumswechsel platzte die Spekulationsblase der späten neunziger Jahre. Der Nasdaq Composite Index, der zuvor von Internetaktien und Technologiewerten in astronomische Höhen katapultiert worden war, fiel bis Ende 2000 auf die Hälfte seines Höchststandes. Es war
das schlimmste Börsenjahr seit der Weltwirtschaftskrise.

Auch andere Indizes wie der ehrwürdige Dow Jones Industrial Average oder der Standard & Poor's 500 hatten ein Jahr zuvor alle Rekorde gebrochen...